Was ist mediale Freiheit? Wie erlange ich sie?

[Ein Gastbeitrag] Es hilft, wenn man sich die Bedeutung der Begrifflichkeit “Empanzipation” nochmal fix vor Augen führt; in der Wikipedia [1] finden wir dazu einleitend: “Emanzipation stammt von dem lateinischen emancipatio, was „Entlassung des Sohnes aus der väterlichen Gewalt“ oder auch die „Freilassung eines Sklaven“ bedeutet.”

Dies ist natürlich ganz besonders köstlich vor dem Hintergrund einer immer paternalistischer [2] agierenden Staatsgewalt samt in Summe willfährig unterstützender vierter Gewalt [3].

Eine “Befreiung” bzw. “Verselbstständigung” bzw. “(Wieder)Erlangung der Mündigkeit” in Bezug auf die Nutzung von Medien bedingt demzufolge eine Entkopplung von deren anhaltenden Steuerungs- & Erziehungsversuchen. Jener in den letzten Jahren eingeschlichenen Unsitte – die inzwischen mehr als oft den wacheren Teilnehmern am aktuellen Zeitgeschehen überaus unangenehm aufgefallen ist – sind wir in Zeiten des Internets prinzipiell schon lange nicht mehr hilflos ausgeliefert.

Allerdings erfordert das Abwerfen der Ohnmacht (des “Ausgeliefertseins”) wie in so vielen anderen Belangen des Lebens auch, das Erwerben tauglicher Kompetenzen. Wer nichts kann, bleibt abhängiger Kostgänger – das ist nicht nur “in der realen Welt” so, sondern auch in der medialen.

Es genügt nicht, festzustellen, dass etwas nicht stimmt; ebensowenig, wie es genügt, etwas (anderes) zu wollen. Wer sich nicht daran macht, das Gewünschte zu erlangen, wird mit höchster Wahrscheinlichkeit unbefriedigt bleiben.

Freiheit macht Arbeit!

Es ist eine schmerzliche Binse, dass eine Alternative zu den sog. “etablierten” Medien längst in Form der sog. alternativen Medien existiert. Klar, ein Dschungel; aber auch das letztlich bloß wie der Rest der Welt auch; man muss sich (überall) orientieren, probieren, Spreu von Weizen trennen; etc.

Es gibt nicht nur Facebook & Co.

Glücklicherweise gibt es inzwischen auch mehr als eine Liste empfehlenswerter Nachrichtenquellen, gepflegt von freien Geistern (z.B. bei Dushan Wegner [4], Gescheitmedien.de [5], u.a.). Woran es flächendenkend noch zu hapern scheint, ist das Verständnis des Umstands, dass das Internet nach wie vor nicht nur aus Facebook, Twitter & Co besteht. Es gab ein Netz vor diesen Giganten und es wird auch noch ein Netz nach diesen Platzhirschen geben.

Für Abstraktionsbehinderte: Das bedeutet, dass man verfübgare Nachrichtenquellen selbstverständlich auch noch auf anderen Wegen nutzen kann, als nur in den Häppchen, die uns die großen Player so mundgerecht und soziomagnetisch zubereiten und füttern, damit wir auch brav vor ihren monolithischen Werbeschleudern hocken bleiben.

Jede Nachrichtenquelle publiziert einen Feed

Noch flächendeckender hapert es nämlich am Verständnis des Umstands, dass nahezu jede Nachrichtenquelle selbst einen nutzbaren “Feed” publiziert, den man auch gänzlich ohne Facebook oder Twitter nutzen kann – deren Kernidee ist nämlich alles andere als neu. Man nennt das Zusammenziehen von relevanten Informationen “Aggregation” [6] und eine zentrale Methodik zur Aggregation von nachrichtenartigen Inhalten ist beinah so alt wie das fucking Internet; man kennt sie unter der Abkürzung “RSS” bereits seit der Jahrtausendwende [7]; yep, das sind jetzt bald 20 Jahre, folks.

Der Feedreader als Empfänger

Ein Schlüssel zur Befreiung bzw. Selbstermächtigung liegt im Kennen(lernen) dieser Technologie (it’s not rocket science, really) und dem Beherrschen ihrer Werkzeuge. Das Wichtigste ist ein sogenannter (ach was) “RSS-Reader” [8], welche/n es in etlichen Darreichungsformen gibt, und es können sogar einige Mail-Programme nicht nur Mails empfangen, sondern auch newsfeeds [9].

Höchst erfreulicherweise haben die Kollegen von Gescheitmedien.de (unter Anleitungen) nicht nur für jede relevante Plattform eine Anleitung erstellt; sie bieten auch gleich ihr eigenes feed-Aggregat als “Druckbetankung” mit an, wobei natürlich auch dies wieder eine Form von “fremdbestimmter” Vorauswahl ist; aber jeder wie er mag; Feedlisten sind ja unten mit angeboten.

Wer einmal gelernt hat, auf das orange-farbene Quadrat (oder die Schlüsselbegriffe “RSS”, “feed”, etc.) zu achten, wird ihm fast überall im Netz begegnen. Für die meisten Browser existieren überdies Erweiterungen [10], die helfen, “versteckte” feeds auf besuchten Webseiten aufzuspüren. Wie gesagt, es gibt so gut wie nix, was keinen feed raushaut. Mit ein wenig investierter Mühe kann man sich so in vergleichsweise kurzer Zeit ganz nach Gusto seine ganz eigene kleine Nachrichtenagentur zusammenhäkeln – und zwar ohne, dass einem ein Zuckerberg oder cyaner Piepmatz vorschreibt, was man warum zu sehen bekommt und was nicht.

Mit den Leuten, die diesen Beitrag überlebt haben, reden wir dann beizeiten mal über Filtering & (re)Mixing, IFTTT und Pocket und so next-level-niceties …

Verweise / Links / Quellen:

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Emanzipation
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Paternalismus
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Vierte_Gewalt
[4] https://dushanwegner.com/freie-denker/
[5] https://gescheitmedien.de/feed-liste/
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Aggregation
[7] https://de.wikipedia.org/wiki/RSS_(Web-Feed)https://l.facebook.com/l.php?u=http%3A%2F%2Fgescheitmedien.de%2Ffeed-liste%2F%3Ffbclid%3DIwAR1zTeo4lcEBsU2jzivs71S1ih5ntqPN1t-vKY9H_gJxxEIaJYW7UupamDY&h=AT22CQtgEwwUC5sf3M9Rm-XZ_XTLJrgfUZxue2gc1na5Gr-QFhzYwUkYrVKxsZsayONoXiqdt3hZeNFs9pFEohMsZu7XKfVSbMHTDgieZu_sSYh3sd199yxisYe8qmQM0enkeExvq-S0zthJbbkD9dhd4UAo__ugRBta_iiu-RnSQQ
[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Feedreader;
[9] https://support.mozilla.org/…/nachrichten-feeds-und-blogs-a…
[10] https://www.google.ch/search…