Erziehungsmedien

[Gastbeitrag von Neli Pavlo] Während ich mich durch die News blättere, sticht mir immer wieder etwas ins Auge, das ich mal näher beleuchten will. Ich lese, wie viele von uns, so ziemlich alles, was quer durch die Sparte angeboten wird: Von unseren Hauptmedien WELT, ZEIT, Süddeutsche, Spiegel, Focus, Bild – bis hin zu englischen, amerikanischen, jüdischen, österreichischen und schweizerischen Zeitungen. So ziemlich alles also. Ich lese auch immer wieder in sturlinke Magazine rein wie den Freitag, taz, den österreichischen Standard, den englischen Guardian usw. Garnieren tue ich mit der deutschen Jungen Freiheit und natürlich mit Tichy, Achse und (immer noch) dem Cicero. Ab und an gönne ich mir auch französische, italienische und Happen aus meiner Urheimat, dem Balkan.

Es ist immer interessant, wie die verschiedenen Medien News aufbereiten und präsentieren. Ich war schon in der Schule immer mehr fasziniert von dem Medium, das mir etwas beibringen wollte, und seinen Eigenschaften, als von dem Stoff an sich. Dem Lehrer also. Ich habe ihn studiert um für mich festzustellen, ob ich ihm das abnehmen kann, was er mich lehren möchte. Ich wollte immer wissen, wie überzeugt derjenige von seinem Stoff ist und weiter, wie sehr er es vermag, dieses Wissen an die Schüler oder Studenten zu vermitteln. Und: Ich habe schon sehr früh darauf geachtet, ob derjenige mir seinen Standpunkt eintrichtern will oder aber die puren Fakten – ob er größer ist als der Stoff, ob er ihn handeln kann, ob er ihn beherrscht und nicht von ihm beherrscht wird – kurz: Ob er leidenschaftlich ist und gleichzeitig präzise und objektiv genug, um die richtige Mischung weiterzugeben, um Respekt und Gehör zu finden. Gerade in geschichtlichen Fächern war das interessant und ich würde heute ab und an gerne mal als Mäuschen in einem x-beliebigen Gymnasium in der letzten Reihe sitzen um zu sehen, was da so vor sich geht.

Und so gehe ich auch bei den Tages- und Wochenzeitungen vor, die mir ihre News auf den Tisch legen. Ich schaue, wieviel Verve hinter Kommentaren liegt, und wieviel Sachlichkeit bei den Fakten – und sobald mir eine Nachricht, die eigentlich pure Nachricht sein soll und kein so gekennzeichneter Kommentar eines Journalisten oder Autors, zu sehr gespickt ist von Meinung und Trieb und Überzeugungsfanfaren, packe ich die nächste Zeitung auf den Tisch (oder den Monitor) und lese die gleiche Meldung dort. Und die nächste. Bis ich die puren Fakten herauskristallisiert habe, die Essenz. Dann vergleiche ich, wer bestimmte Dinge beim Namen nennt und wer nicht. Und ich unterscheide immer zwischen als Faktum präsentierter Meinung und als solcher Gekennzeichneten.

Das tue ich nun seit rund vier Jahren so. Ich bin mir sicher, viele können mir da folgen. Und so hat es sich ergeben, dass mir bei gewissen Zeitungen deren Glaubwürdigkeit weitestgehend abhanden gekommen ist. Werde einmal der Lüge überführt und schon wird es schwierig – tue es mehrmals und du bist raus. Schreibe nur die halbe Wahrheit und es ist klar, dass du nicht mehr als einziges vertrauensvolles Medium herzitiert wirst. Es ist im Prinzip eine einfache Lebensregel und jeder wird mir darin zustimmen, dass man genau so Erfahrungen sammelt und seine Konsequenzen zieht.

Explizit möchte ich auf den Unterschied zwischen den deutschen und schweizerischen Medien hinweisen und ihn als Exempel nehmen für meine Überschrift. Während z.B. die Identitären hierzulande in sämtlichen Zeitungen immer mit dem Adjektiv „rechtsextrem“ und „ausländerfeindlich“ bedacht werden, wird in der Basler Zeitung z.B. von den „islamkritischen“ Identitären gesprochen. Für mich sagt das viel darüber aus, ob eine Zeitung meiner Wahrnehmung etwas andichten will, oder ob sie es mir und meinem Verstand zugesteht, das für sich selbst herauszufinden, und zwar ausschließlich über Tatsachen, und wenn mir das nicht reicht, indem ich mich über weitere Quellen informiere. Manche mögen jetzt aufschreien und sagen: „Aber die Identitären SIND doch rechtsextrem!“ Dazu kann ich nur sagen: Tatsächlich? Was genau macht sie zu solchen? Welche Fakten könnt ihr mir aufzählen, die eindeutig besagen, dass sie zu einer rechtsextremen Gruppierung gehören, welche Aktionen und Reden kennt ihr von ihnen, die diese Einordnung rechtfertigen? Das ist keinesfalls eine rhetorische Frage, ich bin wirklich interessiert! Präsentiert mir Beispiele und mit seriösen Quellen belegte Fakten und ich werde Euch glauben.

Ich sage es, wie es ist: Die deutschen Medien, allesamt, von den Öffentlich Rechtlichen, die wir bezahlen müssen, über Rundfunk bis hin zur Tageszeitung, sind vom ehrlichen journalistischen Pfad abgekommen. So langsam und leise, dass es nur die merken, die in ihrer Informationsbeschaffung so vorgehen, wie oben beschrieben. Mehr noch: Sie sind dazu übergegangen, ihre Leser und Zuhörer zu erziehen. Es gibt keine Info mehr, die nicht gespickt wäre von der Meinung des Mediums. Es scheint unmöglich geworden zu sein, pure Information zur Verfügung zu stellen.

Woran liegt das? Wie konnte die einst mächtige vierte Gewalt zu solch einer Erziehungsanstalt werden? Ich denke, es spielen Zähler und Nenner eine gleichsame Rolle: Das Ziel des Mediums ebenso wie die Bequemlichkeit des Rezipienten. Ich rede mal Klartext: Der Deutsche an sich steht auf Anleitung. Er hat nämlich genug damit zu tun, seine Brötchen zu verdienen, die heute sehr schwer verdienbar geworden sind, er lässt sich brav auspressen, man könnte ihm einen Spritpreis von 2,50 € präsentieren und er würde sich aufregen, aber trotzdem weitermachen und tanken. Man kann ihm Steuern von über 50 % zumuten und trotzdem geht er malochen und zahlt ergeben. Man kann ihm Scheiße erzählen und trotzdem schluckt er es – und ja, manchmal denke ich, er will es so, er WILL belogen werden.

Und das alles hat in meinen Augen etwas mit Erwachsensein zu tun. Erwachsensein bedeutet für mich: Ich übernehme Verantwortung. In erster Linie für mich selbst. In zweiter, folgerichtig, für meine direkte Umwelt: Familie, Freunde, Arbeitskollegen. Dann auch für die Gemeinde, der ich angehöre – und letztendlich für das Land, in dem ich lebe, für die Gesellschaft. Zuletzt für meine gesamte Umwelt. Das heißt in erster Instanz: Ich denke selbst. Ich lasse nicht vordenken. Ich entscheide selbst, was ich glaube, und das erarbeite ich mir über Fakten. Ich gebe mich nicht mit der erstbesten Lösung zufrieden. Ich hake nach. Ich sage nicht ja und meine eigentlich nein oder vielleicht. Ich übe mich in Konsequenzanalyse: Was passiert, wenn ich A mache und was, wenn B? Immer und jeden Tag.

Die Welt ist nicht bequem. Die Wahrheit ist nicht bequem. Wir müssen alle irgendwann eine Entscheidung treffen zwischen Larifari oder Hand und Fuß. Die deutschen Medien schreiben heute Geschichten für Nicht-Erwachsene. Für diejenigen, die sich für Larifari entschieden haben. Die anderen, die Hand- und Fußler, werden nachhaken. Und sich auf einmal in einer neuen Welt wiederfinden: Sie werden das Gefühl haben, selbst zu laufen. Es ist ein Unterschied, ob man selbst geht oder gegangen wird. Das tut nicht weh – im Gegenteil: So schlecht die News auch sind – man hat eine unwiderstehliche Erfahrung von Klarheit und Wahrhaftigkeit. Und in diesem Moment wird man zu einem mündigen, erwachsenen Bürger.

Und dafür ist es übrigens nie zu spät.

(Durchbrechen Sie noch heute Ihre mediale Unmündigkeit und befolgen Sie eine unserer Anleitungen. Der Weg aus dem medialen Knast ist kürzer als man denkt …)